Mo

15

Mär

2010

Die Geschichte vom Klappspaten

Eigentlich wollten wir Anfang Februar weiterreisen. Doch unseren potentiellen Abfahrtstermin verschoben wir wöchentlich. Es kam schließlich ständig etwas dazwischen. Erst das Chakra View Festival Anfang Februar (was ja dann doch ausfiel), dann Armins Geburtstag, dann Tills Mittelohrentzündung. Danach gingen uns die Ausreden aus und auch der Reisegeist klopfte ganz sachte und zaghaft wieder an die Tür. Im Grunde hatten wir genug entspannt und schließlich wollten wir ja auch noch mehr von Indien sehen als nur Agonda: wir wollten auf den Fleemarket in Anjuna, wir wollten Marco (www.marcosbus.ch) in Assagao besuchen und dann in Richtung Kerala aufbrechen, schließlich wird es da unten von Tag zu Tag wärmer. Es gab genügend Gründe noch weiter in Agonda zu bleiben und wenn es auch einfach nur unsere lustigen Zwickauer Overlander-Nachbarn waren, unserer Hunde-Zoo, der schöne Stellplatz und im ganzen die gesamte Leichtigkeit einen schönen Tag nach dem Nächsten hier zu verbringen. Doch dann ereignete sich der Klappspaten-Vorfall....


Es war Samstag, jeder ging seinen Gewohnheiten nach: Frühstücken, Shoppen in Chaudi, Schwimmen, Internet surfen, Lesen, am Bus herum schrauben, Hunde entlausen etc.. Zwei Fahrzeuge weiter wurde vor einem Overlander-Gefährt gemütlich Geburtstag gefeiert als ein Bus mit einem Schwung  junger gut gebauter Inder vor fuhr. Alles wie immer: die Musik wurde aufgedreht, die Boxen Richtung Strand gedreht, der Alkohol ausgepackt. Wir kannten das ja inzwischen zu genüge und wussten, dass um spätestens 17 Uhr wieder Ruhe einkehren würde. Kein Grund sich aufzuregen und kein Grund den zehn Indern ihren Spaß nicht zu gönnen. Steffen war gerade mit der Stevie Wonder Geburtstags-CD auf dem Weg zu den Indern – vielleicht hatten sie ja Lust zwecks der Overlander-Geburtstagsparty einmal „Happy Birthday“ auf voller Dröhnung zu spielen. Doch soweit kam es gar nicht erst. Die Geburtstags-Overlander stellten sich Völkerverständigung wohl anders vor...

 

Der eine nahm seinen Klappspaten in die Hand und marschierte geradewegs auf die feiernden Inder zu. Innerhalb von Sekunden kippte die Stimmung in eine sehr aggressive Haltung. Kein Wunder. Erstens lässt man die Inder in Ruhe feiern (oder man feiert mit) und Zweitens rennt man nicht mit einem Klappspaten in der Hand dorthin! Da kann jeder hinterher noch oft genug sagen, man wollte nur freundlich fragen, ob man die Musik leiser machen kann. Der Klappspaten sprach definitiv eine andere Sprache! Wir standen zum Glück weit genug weg, um das Ganze aus der Entfernung zu beobachten. Der nächste Overlander mischte sich ein und schon waren es zwei Ausländer, die mit Indern in eine Rangelei gerieten. Plötzlich wurde es eine Prügelei und der Klappspaten-Overlander rannte, als würde es um sein Leben gehen. Die Inder hinterher. Wir verrammelten uns im Frosch und schauten mit Herzklopfen durch unsere Gardinenschlitze. Einer der Inder war inzwischen so wütend, dass er sich einen Palmwedel griff und wahllos drauflos schlug. Er schlug die Frontscheibe von den Berlinern kaputt, die mit dieser Sache natürlich überhaupt nichts zu tun hatten. Super. Innerhalb von Sekunden war aus einem netten Samstag eine brodelnde Stimmung entstanden, bei der wir nicht wussten, wie es ausgehen würde. Würde sich die Situation beruhigen? Würden wir gleich den Motor starten müssen und so schnell es geht abhauen müssen, unsere ganzen Sachen, die vorm Frosch waren, einfach stehen lassen, die angebundenen Sonnenschutz-Tücher einfach abreissen lassen und das Ganze obwohl wir total unbeteiligt am Geschehen waren? Der Palm-Wedel-Inder ließ sich nach weiterem Aufbäumen von seinen Kumpels beruhigen. Er entwischte ihnen noch ein paar Mal, fand an einem der Overlanderfahrzeuge eine Axt, schlug sie ein paar Mal in eine Palme, schlug danach auch noch wütend mit der Faust in diese Palme, was ihm natürlich zusätzlich eine blutige Hand bescherte. Doch dann saß er auch endlich mit im Bus, mit dem sie gekommen waren. Dann fuhr der Bus endlich los und wir konnten das erste Mal aufatmen.

 

Adrenalin, Angst, Ungewissen und eine kaputte LKW-Windschutzscheibe - und das nur weil ein Overlander den Indern in ihrem eigenen Land keinen Spaß erlaubte und sich durch die laute Musik provoziert fühlte? Unfassbar. Die Scheibe vom Berliner war definitiv kaputt. Unsere Parkplatzwächter kamen und natürlich auch die Polizei, die wir aber wieder wegschickten und sie darum baten, die Sache einfach auf sich beruhen zu lassen. Wer weiß, was es für Folgen hätte, wenn der Palm-Wedel-Inder jetzt auch noch Ärger mit der Polizei bekommen würden. Wir hofften einfach darauf, dass er seinen Rausch ausschlafen würde und es ebenfalls auf sich beruhen lassen würde, was er im Endeffekt auch tat - der Inder kam nicht mehr zurück.

 

Nun stellte sich natürlich die Frage, wer die Scheibe bezahlen würde. Die Klapp-Spaten-Overlander-Fraktion hatten den Vorschlag, dass wir alle ja eine Overlander-Gemeinschaft wären und dass wir alle zusammenlegen könnten, um die neue Scheibe zu bezahlen. Dass dies bei uns Unbeteiligten nicht unbedingt auf offene Ohren stieß, verwunderte eben diese Fraktion. Komisch, wir hatten nichts damit zu tun, noch haben wir uns  jemals über die laute Musik beschwert. Ich hatte eigentlich mit einer Entschuldigung gerechnet, dass man uns Unbeteiligten in diese Situation gebracht hat, die auch ganz anders hätte ausgehen können!

 

Im Endeffekt einigten sich die Beteiligten untereinander und versuchten jetzt wohl für den Berliner eine neue Scheibe aufzutreiben. Wir hielten uns aus diesem ganzen Dilemma raus und ließen es ebenfalls auf sich beruhen. Marcus hingegen (der mit der kaputten Frontscheibe) hatte scheinbar genug von diesem Standplatz und seinen Klapp-Spaten-Nachbarn. Er packte zusammen, startete seinen LKW und fuhr genau dort hin, wo er wissentlich nicht hinfahren sollte, weil sich dort alle schon im Sand festgefahren hatten: an eine andere Ecke vom Strand, auf die Düne hinauf. Innerhalb von Sekunden steckte er im tiefen Sand fest. Bingo.

 

Wir nutzten unser Unbehagen, endlich den Absprung aus Agonda zu schaffen um weiter zu reisen und packten am Montag unsere Sachen zusammen. Zum Abschied wurde noch mit vereinten Kräften der im Sand steckende Berliner LKW vom Frosch herausgezogen und dann verließen wir Agonda – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil wir endlich aus dem Agonda-Sog herausgekommen sind und weinend, weil Agonda und ein paar liebe Menschen (und liebe Hunde), die wir dort kennen gelernt haben, uns einfach ans Herz gewachsen sind. Wir hoffen, dass wir vielleicht zur nächsten Saison noch einmal dort stehen können. Aber bis dahin wollen wir erstmal mehr von Indien sehen....

 

Und zu guter Letzt noch die Moral von der Geschicht´:

 

Gefährde andere Reisende nicht!!!

 

 

GEWINNSPIEL

 

Wir haben den Gewinner gezogen. Es ist die Proseggo-Ilse! Herzlichen Glückwunsch!

 

Wer möchte die Postkarte aus dem aktuellen Klappspaten-Blog gewinnen? Kommentiert einfach fleißig drauf los! :-) Wir freun uns!

 

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Kommentare: 9

  • #1

    toby (Dienstag, 16 März 2010 14:52)

    ich weiss schon, warum ich mich auf reisen von den meisten deutschen fernhalte. euch gute weiterfahrt!

  • #2

    Juve (Mittwoch, 17 März 2010 14:28)

    Ohje! Ohje! Wie gut das nicht noch mehr passiert ist, die Sache hätte sicher auch anders ausgehen können! Passt gut auf Euch auf! Eine schöne Weiterfahrt & einen dicken Kuss an Ole :-)

  • #3

    Markus (Donnerstag, 18 März 2010 04:00)

    508 küsst Frosch !!!!
    Gr.M+M+F

  • #4

    die Hummel (Donnerstag, 18 März 2010 16:36)

    Laut meiner Schwester ist Klappspaten ein Teekesselchen - ein Wort mit mehreren Bedeutungen. Einerseits der Klappspaten, den man benötigt um ein Loch zu buddeln. Andererseits das, was man landläufig auch als Vollpfosten bezeichnet.
    Ergo: der Klappspaten mit dem Klappspaten!
    Keep out of trouble und gute Weiterreise!
    Dicken Kuss!

  • #5

    Dirk M. (Freitag, 19 März 2010 12:45)

    Ey Till, Stechi hätte aber Hanschuhe beim Rausziehen getragen. Ansonsten machst du Dich ganz gut als Bergungsspezialist!

  • #6

    Der Lange (Samstag, 20 März 2010 14:15)

    Yeaha! Meine Karte ist angekommen. DANKE!

    Klappspaten gibt's halt überall, is' aber ja noch mal gut gegangen. Schön, dass ALLE beim bergen
    geholfen haben ;)
    Good luck

  • #7

    steffen (Sonntag, 21 März 2010 12:48)

    schoen das auch mathew mit aufm film is.

  • #8

    David (Sonntag, 21 März 2010 14:58)

    sehr schöne Website. Viele Grüße aus Zwickau an die Frösche

  • #9

    Thomas (Samstag, 27 März 2010 11:20)

    Hallo! Schöne Grüße aus Orchha! Die Klappspatengeschichte hab ich schon gehört, wir haben Markus und Co zufällig in Delhi getroffen.

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