Die Prinzessin im goldenen Boot 19.08.08

Salme auf der Insel Saarema (Estland)– Dirhami (Estland)

 

Gefühlte 5.25 Uhr als Till und ich heute morgen aufwachten. Ey, das ist schon halb neun, meinte Till, aufstehen, los, ist mein Tag heute! T-Bone und ich waren da anderer Meinung. Halb neun? Das konnte definitiv nicht sein! Halb neun fühlt sich ausgeschlafener an! Ole hingegen war mal wieder putzmunter. Also standen Till und Ole auf, während T-Bone und ich uns noch mal umdrehten. Herrlich….wenn Till doch nur nicht so laut wäre. Da hörte man die Knarre, die er ansetzte um irgendwas los- oder festzuschrauben. Er wühlte hier rum, wühlte da rum. Naja, sollen Ole und Till mal muddeln!


Nach einiger Zeit kam Till wieder rein und weckte mich dann etwas deutlicher: „so, jetzt aufstehen! Ich gehe jetzt duschen!“ „ja, ist ja gut. Du gehst duschen und wenn du fertig bist, dann steh ich auf und dusch dann auch sofort!“. Ich machte die Augen auf. Was war denn hier bitte heute morgen passiert? Ist eine Bombe eingeschlagen? Die „Mainzelmännchen“ hatte ein wunderbares Durcheinander im Frosch angestellt. Es flog alles durch die Gegend. Und mitten drin Ole. Und Till. Ein herrliches Bild. Ich stand auf und stieg unter die Dusche. Vorher noch ein Blick auf die Uhr. Pah, das ist jetzt gerade mal 9 Uhr und ich habe vorhin mindestens noch 1-2 Stunden weitergeschlafen…

 

Frisch geduscht machten wir uns dann auf, die Südspitze der Insel zu erkunden. Übrigens die westliche Ecke Estlands. Wir fuhren mit dem Frosch bis zum Leuchtturm und liefen das letzte Stück am Strand mit den Hunden zu Fuß. Till fror in seiner kurzen Hose und seinem T-Shirt. Ich hatte wenigstens noch nen Pulli und nen Tuch, aber auch mir war richtig kalt, der Wind war heftig. Ganz bis zur Spitze gingen wir nicht. Wir hatten die Hunde nicht angeleint und dort war ein anderer Hund, der irgendwie „böse“ aussah. Also kehrt gemacht. Hunde wieder rein und wir erstmal zum ansässigen Cafe nen Kaffee bestellt und auf die Ostsee geschaut. „Wie sollte dein Tag denn nun weitergehen, Till?“ „Zu den Windmühlen, Foto machen und dann runter von der Insel!“ Alles klar. Also fuhren wir wieder gen Norden. In der Insel-Hauptstadt Kuressaare machten wir eine Frühstückspause und hier begann mein heutiges Märchen:

 

Es war einmal eine kleine Prinzessin, die Brote für ein Frühstücks-Picknick mit ihrem Prinzen schmierte. Sie packte diese Stullen in ihre hübsche Tupperdose, als ihr Prinz die Tür öffnete und sagte: komm, Liebste, ich habe einen schönen Platz gefunden, wo wir es uns gemütlich machen können! Er reichte ihr die Hand, sie griff danach und sprang in seine Richtung. Hand in Hand gingen sie gemeinsam zum Schlossgraben, der die Burg von Kuressaareumgab. Der Prinz führte die Prinzessin auf einen Steg. Die Prinzessin war etwas verwundert, doch dann wusste sie: der Prinz hatte für sie ein Tretboot gemietet, als sie die Brote schmierte! Ach, sie schmolz dahin. Sie war noch nie Tretboot gefahren und hatte ihrem Prinzen neulich davon erzählt, dass sie so gerne mal Tretboot fahren möchte. Der Prinz half seiner Prinzessin ins goldene Boot und stieg selbst dazu. Die Tupperdose in der Mitte fuhren sie Händchen haltend los. Auf der Mitte des Schlossgrabens dann ein ganzer Haufen Enten, den sie mit ihren Broten fütterten. Einige waren sogar so zutraulich, dass sie sich aus der Hand füttern ließen. Die Sonne schien warm und weich auf die Prinzessin und ihren Prinzen als sie sich küssten. Ach, was waren sie verliebt und glücklich. Sie wollten mit ihrem Tretboot einmal um den Schlossgraben rum, das ganze leider gegen den Wind. Naja, aber das war nun aber mal der Plan. Also traten sie feste in die Pedalen um voran zu kommen. Gerade als sie ¾ geschafft hatten und nur noch um die letzte Kurve mussten, bis sie fast wieder beim Steg waren, mussten sie erschreckt feststellen: hier geht es gar nicht weiter. Hier wird der Schlossgraben von einer zur Burg führenden Straße durchquert. Das Strampeln gegen den Wind war also umsonst gewesen. Aber nicht für die Prinzessin. Sie war so überglücklich mit ihrem Prinzen in diesem Tretboot zu sitzen, es hätte auch regnen können, es hätte sie nicht gestört. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann treten sie noch heute…. Ach, war das schön!…..

 

Zurück aus der wunderschönen Märchenwelt ging es mit dem Frosch gen Norden. Hier sollten in Angla einige Windmühlen aus vergangenen Zeiten stehen, die laut unserem Reiseführer einen Besuch wert sein sollten. Dies war auch Ausflugsziel für einige Seniorengruppen, entsprechend war hier bei unserer Ankunft eine Menge los. Wir schauten uns um, machten Fotos und stiegen wieder ein. Zurück auf der Fähre verfielen wir dann wieder den essbaren Sünden…

 

Zurück auf dem Festland ging es nach Haapsalu, hier wurde beim estischen Lidl eingekauft. Merkwürde Gestalten liefen hier rum. Egal. Schnell bezahlen und raus hier. Wenn das mit dem schnellen bezahlen nur mal auch so schnell gegangen wäre. Die eine EC Karte wollte nicht, auch nicht beim zweiten Versuch. Die Schlange wurde länger, die Leute ungeduldiger, der Ton der Kassiererin ebenfalls forscher. Was sie genau sagte, keine Ahnung, aber ich verstand, Karte klappte nicht. Also die andere EC Karte. Ging auch nicht. Oh man, ich wurde etwas nervös durch ihren genervten Blick. Da vorne stand ein Geldautomat. Ich gab ihr zu verstehen, dass ich Geld ziehen gehen würde. Sie nickte. Karte reingesteckt, Geheimnummer eingegeben. Oh nein, mir fiel auf: ich hatte die falsche eingegeben. Also Abbruch und noch mal von vorne. Diesmal hatte ich die richtige eingetippt und bekam die benötigten Scheinchen. Zurück an der Kasse schnell bezahlt und nun raus hier!

 

Wir machten noch eine kleine Tour durch den Kurort Haapsalu und fuhren dann weiter auf der Landstraße nach Norden. Nun stehen wir wieder an einem herrlichen Sandstrand und haben wieder einen wunderschönen Sonnenuntergang gesehen – dazu gab es Thai-Curry … Und gleich wird wieder eine Runde Monopoly gezockt. Mal sehen, ob ich heute Glück habe…

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