Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt, ganz nach dem Motto: „eine Katastrophe jagt die nächste” 11.08.08

Gaunieki – Lipaja – Liepene (Lettland)

 

Der Regen prasselte aufs Dach. Wie war das mit Sonne? Es kann doch echt nicht wahr sein, warum regnet es die ganze Zeit, wenn wir mal nicht Fahren wollten? Es war bereits hell draußen. Ein Blick auf die Uhr. Ach, es war ja erst viertel nach fünf. Juhu, die Chance auf Sonne stieg wieder! Schnell weiterschlafen!

 

Als wir um 8 Uhr ein zweites Mal aufwachten, hatte der Regen tatsächlich aufgehört. Nur unsere Klamotten, die wir auf dem Dach zum trocknen hingelegt hatten, waren wieder pitsch nass…Egal, erstmal aufgestanden. Oh nein, jetzt mussten wir feststellen, dass es Ole ja gar nicht gut ging. Er hatte jetzt richtig Schmerzen in der Pfote, denn er konnte gar nicht mehr auftreten. Aber sehen konnte man auch nichts. Okay, erstmal wach werden, Kaffee machen. Und kaum war der Kaffee fertig, fing es wieder an zu Regnen. Die Stimmung drohte zu kippten. Man, so hatten wir uns unseren Urlaub echt nicht vorgestellt, dazu dann auch noch die tagtäglichen „Klein-Katastrophen“, kann das denn nicht mal aufhören? Ich musste jetzt erstmal hier raus. Joggingschuhe angezogen und runter zum Strand, ne Runde durch den Sand laufen sollte helfen. Zurück am Frosch ein Fenster putzender Till, 5 Tüten voll mit gesammeltem Müll, ein leidender Ole, der mich nicht mehr an seine Pfote ranließ. Also Sachen packen und zurück nach Lipaja, da war schließlich ein Tierarzt. Zwei Stunden später betraten wir die Praxis. Was sie wohl mit ihm machen würden? Eine Operation? Ich malte mir die schlimmsten Dinge aus. Die Tierärztin sprach deutsch und untersuchte Oles Pfote. Sie konnte nichts Genaues feststellen, gebrochen war nichts. Er bekam Antibiotikum und ein Desinfizierzeugs. Ob dies besser hilft, als das, was wir ihm schon draufgesprüht haben? Egal. Hauptsache es ist nichts Schlimmes. In 3 Tagen soll es ihm besser gehen. Wenn nicht sollen wir den nächsten Tierarzt aufsuchen. Ich war froh über diese Diagnose.

 

Also alle wieder rein in das grüne Gefährt. Man man man…was soll denn jetzt noch alles kommen, habe ich mich gefragt. Wir sind doch erst eine Woche unterwegs…ich hatte mir das Ganze romantisch und lustig vorgestellt. Klar, ein bisschen Stress gehört auch dazu, aber jeden Tag? Till drückte den Romantik Knopf, ich den für Sonne und ich beschloss, die Klein-Katastrophen einfach nur noch zu belächeln. Mein weiteres Motto: Romantik pur, egal was kommt.. Till suchte sich auch ein Motto aus: Volle Pulle!


Und so wurde mein Beschluss natürlich sofort auf die Probe gestellt: auf dem Weg nach Ventspils fing dann die Kupplung an zu spinnen. Im Handbuch nachgelesen: Ein Anzeichen für Verschleiß… Till sagt, weiterfahren bis nichts mehr geht. Wird schon schief gehen. Okay. Wenn er das sagt.


In Ventspils haben wir dann ein bisschen die absolut tote Stadt angeschaut. Da war nix und niemand – auch wieder ein paar verlassene Häuser. Aber sonst nichts. Kurz noch an einer Touristeninfo einen Flyer über Lettland mitgenommen und dann in einen Supermarkt eingekehrt. Kühlschrank auffüllen. Obwohl dies ein lettischer Supermarkt ist, und nicht wie in Polen ein Lidl – auch hier überwiegend deutsche Produkte. Käse, Kaffee, Kekse, Milch und was man sonst alles noch so brauchen kann und zurück zu den Hunden. Kühlschrank befüllt und weiter geht die Reise nach Norden.

 

Auch an diesem Abend hatten wir wieder den Plan wie gestern: schönes abgelegenes ruhiges Plätzchen direkt an der Ostsee. Sollte aber leider nicht sein. Wir fuhren ewig durch einen Wald, die Gartenschere kam zum Einsatz, wir liefen ein Stück Weg zu Fuß ab. Langsam fing es an zu dämmern. Wir kamen immer weiter in den Wald hinein. Ob wir da vorne überhaupt noch weiterkommen? Nicht, dass wir irgendwo stecken bleiben…ich war ein wenig aufgeregt. Aber egal, war ja romantisch…und wenn nicht romantisch, dann wenigstens ein bisschen komisch. Und für Till: Volle Pulle 4×4… Wir fielen die Entscheidung: umdrehen und zurück auf die Straße. Das bringt hier nichts. Und endlich waren wir auf der Straße wieder angekommen kam Till mit der Schock-Nachricht: die Kupplung.. Jetzt will sie wirklich nicht mehr. Till musste die Gänge fast reinprügeln – es war einfach kein Spielraum mehr. Ach, wie romantisch, statt eine Klein-Katastrophe jetzt der Super-Gau… wir waren in the middle of nowhere, auf einer zwar asphaltierten, aber doch sehr unbefahrenen Straße. Links und rechts nur Wald.… Unser kurzfristiger Plan: Sofort den Weg nach Riga antreten (ca. 200km), da gibt’s ne Mercedes Werkstatt. Naja, aber die Hunde, die mussten vorher noch mal raus. Anhalten? Und wenn dann wirklich gar nichts mehr geht? Okay, no risk, no fun. Am Straßenrand angehalten. Links und Rechts nur Wald, ab und an erschienen Autoscheinwerfer, bogen aber vorher schon ab. Bei uns kam keiner vorbei…Till das Werkzeug rausgesucht, den Assistenten (Kopflampe) aufgesetzt und unter den Wagen geklettert. Gefluche wegen der Mücken, Gefluche, weil er mit dem Maulschlüssel nicht richtig rankam. Meine Aufgabe: Auf Till´s Kommando die Kupplung drücken. Mir war schlecht. Ich stand da, neben dem Frosch, drückte zwischendurch mal die Kupplung, es war dunkel draußen, Till fluchte wieder. Aber, ganz nach dem Motto: was soll jetzt noch passieren, wird schon alles werden, harrte ich der Dinge, die da kamen. Immer schön Mundwinkel nach oben! Soll ja angeblich das Hirn manipulieren….Beim weiteren Kommando „Kupplung drücken“ musste ich feststellen: es war wieder Spielraum da! Juhu! Till hatte den Dreh raus! Noch 2 Mal getestet und die Kupplung fühlte sich fast wieder normal an! Jetzt noch nach Riga? Och nö, Tour fortsetzen!


Also ging es für uns wieder Richtung Norden, die Dunkelheit war über uns hereingebrochen, am Himmel sah man den Mond – romantisch! Till und ich mussten dann doch noch herzhaft über diese ganze Geschehnisse lachen und bogen dann ab Richtung Ostsee und stehen jetzt auf einem Parkplatz – ich glaube, nicht weit entfernt von uns die Ostsee.


Die Hunde noch schnell versorgt, unter die Dusche gesprungen und was gegessen und jetzt hoffe ich, dass wir nach diesem Tag gut schlafen können. Mal sehen, was uns morgen so passiert!

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