Langeweile…. 23.08.08

Irgendwo (Ostsee) – Rostock / Lübeck (Deutschlad)

 

Ist das hier Zwang oder Urlaub? Zwang, beschlossen wir beide. Man sitzt den ganzen Tag nur in der Kabine, geht zwischendurch mit den Hunden an Deck, denkt, sie hätten sich jetzt überwunden hier ihr Geschäft zu erledigen, aber nein. Scheinbar denken sie, sie sind in einem Haus oder Gebäude oder so und da dürfen sie sich nicht ihrer Bedürftigkeiten erledigen. Und irgendwie schienen sie sich extrem zu schämen. Wir trafen an Deck noch 2 andere Hundebesitzer. Deren pelzigen Begleiter erging es genauso!


Und sonst kann man hier nicht viel machen. Die Kabine ist klein, wir liegen in den Betten rum und lesen. Und essen so unglaublich viele Süßigkeiten (diese Super-Size-Packungen, die wir im Duty Free Shop gekauft haben), dass wir hoffen, dass wir nach diesem Urlaub davon erstmal geheilt sind. Es ist ja noch nicht mal mehr, dass wir einen Jibbel auf Süßes hätten oder wir Spaß dran hätten. Nein, wir essen aus purer Langeweile bis uns schlecht wird. Und mir ist inzwischen schlecht.

 

Das Rätselheft, das ich an der Rezeption gekauft habe, das ist auch doof. Da ist noch nicht mal ein normales Kreuzworträtsel drin. Nur so komplizierter Blödsinn. Und an der Rezeption gab es auch nur die Bild von Mittwoch oder die Bild der Frau, Titel „Die Soja-Diät, verlieren Sie 1 Pfund pro Tag“. Brauch ich auch nicht. Wenn ich mit den Süßigkeiten aufhöre, dann passiert das automatisch! Till hingegen ist glücklich vertieft in seinen Spiegel…

 

Mir ist so langweilig. Warum gibt es hier denn kein Schwimmbad? Hier gibt es nichts. Jedenfalls nichts Spannendes für mich bzw. wo ich teilnehmen dürfte. Die kleinen Kinder, die haben hier echtes Programm. Malen nach Zahlen und Gesichterschminken im Kinderraum, heute Mittag Besichtigung der Brücke. Da wäre ich auch gerne dabei gewesen. Ist aber ausschließlich nur für Kinder. Manno. Unten im großen Aufenthaltsraum gibt es Fernseher, die Olympia übertragen – ohne Ton. Da haben wir es uns auch schon in zwei Sesseln gemütlich gemacht und meinen Favoriten-Sport Synchron-Schwimmen geschaut. Aber auch das war kein Highlight, denn das Bild lief immer nach oben weg um von unten wieder aufzutauchen. So kann ich kein Synchronschwimmen gucken. Im Parfüm-Laden, da war das Bild auf dem kleinen Mini-Fernseher auf dem Regal echt top. Aber den ganzen Nachmittag im Parfumladen rumstehen? Auch doof.

 

Also lümmeln wir uns in der Kabine, die nach Pups riecht. Und man kann hier kein Fenster öffnen. Till hat inzwischen die riesige Popcorn-Packung zu ¾ aufgegessen und zu mir rübergeschoben, damit ich sie wohl weiter aufessen. Nee, nee, nee, auf Popcorn kann ich gar nicht. Es ist schon 16 Uhr. Um 22 Uhr werden wir in Rostock ankommen. Und bis dahin habe ich einen Zuckerschock!

 

Nachdem wir weiter in unserer Kabine ausharrten, war es dann Zeit, das Restaurant zu besuchen. Man wurde schließlich des Öfteren durch die nette Dame vom Lautsprecher darauf hingewiesen, dass das Buffet Restaurant in 30min öffnet bzw. jetzt geöffnet hat bzw. noch 30min geöffnet ist. Nebenbei: Das Buffet Restaurant hat Mittags und Abend geöffnet, also 6 x pro Tag die Ansage in allen Sprachen…Also schauten wir uns das Buffet mal genauer an. Nix dabei für Vegetarier… Und beim anderen à la Carte Restaurant? Auch nicht wirklich. Wir entschieden uns für Penne Gorgonzola und nahmen Platz. Kurze Zeit später wurden wir aus dem Restaurant verwiesen. Die Plätze wären alle reserviert. Wir sollen doch bitte in 10 min wiederkommen. Es waren von den 10 Tischen gerade mal 2 besetzt… aber ok. Nach 10 min waren immer noch nicht mehr Tische besetzt und statt an Nummer 4 saßen wir jetzt an Nummer 2. „Eine große Flasche Wasser, bitte!“ „0,5 Liter?“ „Ja, dann bitte 2 mal. Vielen Dank!“ Wir bekamen zwei bis zum Rand gefüllte 0,5l Biergläser mit Leitungswasser…aha. Die Penne Gorgonzola waren ganz ok. Trinkgeld bekam sie trotzdem nicht. Erst uns weg schicken und uns dann Leitungswasser in Biergläsern servieren…komischer Verein hier…

Ich fühlte absolute Verkäsung in meinem Magen. Es grummelte als wir uns wieder in unsere Betten kuschelten. Noch 2 Stunden, dann sind wir da!
Wir versuchten noch ein Nickerchen zu machen, wurden aber je unterbrochen, als die nette Lautsprecher-Dame uns mal wieder darauf aufmerksam machte, dass das Buffet-Restaurant gleich schließt und eine halbe Stunde später, dass wir in ca. einer halben Stunde da wären. Natürlich alles in 4 Sprachen. Weitere 10 min später korrigierte sie sich: wir wären in 1 Stunde da, keine halbe Stunde. An Schlafen war jetzt nicht mehr zu denken. Ich fing schon mal an die Sachen zusammen zu packen. Und da war sie dann auch schon wieder: die Lautsprecher-Dame: diesmal mit dem Hinweis, dass wir in einer halben Stunde da wären und sie würden dann noch mal bekannt geben, wann die Autodecks wieder geöffnet wären. Das war dann 15min später der Fall.

 

Draußen auf den Fluren machte sich Hektik breit. Alle verließen ihre Kabinen und wurden stressig. Nur wir nicht. Till lag noch im Bett und überlegte, noch mal zu duschen. Ich packte derweil unsere Sachen. Lieber gehe ich ganz zum Schluss zum Autodeck als dass ich mich mit den 300 Taschen + Hundekörbchen + Hunden durch die hektischen Massen schieben lasse. Oh, da war sie wieder, Miss Lautsprecher: es hat jemand seinen Autoschlüssel verloren, wer ihn findet möchte doch bitte zur Rezeption kommen und ihn dort abgeben! Wir mussten lachen und stellten uns den Mann vor, wie er gerade panisch nach seinem Autoschlüssel suchte. Und weitere 5min später: „Herr Breuer, Ihre Frau wartet an der Gepäckaufbewahrung auf sie.“

Nun denn, wir verließen die Kabine. Die Reinemache-Frauen waren schon durch die Gänge gegangen und zogen die Betten ab. Ein genervter Blick streifte uns, als wir mit unseren stinkenden Hunden an ihnen vorbei gingen. Unten angekommen liefen schon die Motoren der LKWs, Busse und Wohnmobile. Was für ein Gestank. Till hatte vollkommen recht, man sollte oben an der Decke anzeigen, wann es losgeht, damit nicht alle schon 20min vorher das innere der Fähre vergasten…

 

Da waren wir also wieder in good old Germany. Monika hatte es noch nicht so drauf. Sie meinte, wir wären noch in Tallin und hätten noch 1680km vor uns. Aber Moni, wir sind in Rostock!

 

In eine Decke gekuschelt mit den Füßen auf dem Handschuhfach schaute ich während der Fahrt auf die im Regen verschwimmenden Rücklichter der anderen Autos. Die Scheibenwischer gingen hin und her und ich ließ den Urlaub noch mal Revue passieren. Schön wars! Oder Till? Ja, auf einer Skala von 1-12 definitiv eine 12!

In Lübeck hielten wir auf einem Rastplatz, die Müdigkeit hatte uns eingeholt. Warum also weiterfahren, wenn man noch eine Nacht im Frosch verbringen kann?

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