Mission F(r)isch-Wasser 15.08.08

Saulkrasti (Lettland) – Tecklendorf (Estland)

 

„Bist du bereit?“ Ich blinzelte mit den Augen, als Till die Hintertür aufmachte – mein Blick fiel direkt auf den Strand, die Wellen und die Sonne in mein Gesicht. Schön! Die Wellen rauschten und ich durfte mit diesem schönen Geräusch so langsam wach werden. Heute war wieder „mein“ Tag und ich entschied, dass wir das ganze mal ganz entspannt angehen. Soll heißen: erstmal ein Kaffee zum wach werden. Mmmhhh lecker. Ich weihte Till in meinen Tagesplan ein: Gesundheitstag: kein Süßkrams, keine Chips so wie die letzen Tage. Gesund mit Müsli starten, dann losfahren über die Grenze und da ein Plätzchen suchen, spätestens um 15 Uhr da eintreffen und dann ganz gemütlich den Nachmittag verbringen und abends den Grill anwerfen und Fisch und Gemüse grillen. Joggen? Ach nee, keine Lust. Ach ja, und shoppen gehen. Ein paar gesunde Lebensmittel und mal sehen, was das „Zentrum“ von Saulkrati noch so zu bieten hat.

 

Das Zentrum hatte einiges zu bieten: einen Lebensmittelladen namens „Elvi“ und den Kinderladen „Bambi“. Oh ja, erstmal in den Kinderladen und gucken, ob es was für Lilly und Lotta gibt. Till hatte auch seinen Spaß, er kaufte sich Barbie Bleistiftset! Da hatte er dann einen Anspitzer, einen Bleistift und ein Radiergummi! Wir kauften uns dann auch ein Monopolyspiel. Auf Lettisch. Macht ja nix, wir kennen ja die Spielregeln. Später fiel uns dann ein, dass es ja auch „Ereigniskarten“ gibt. Naja, kriegen wir schon raus, was das zu bedeuten hat!


Für Lilly und Lotta gab es dann ein süßes rot/weiß gestreiftes Mützchen. Warum allerdings vorne drauf ein Hundenapf und der Schriftzug „my bole“ steht, bleibt mir ein Rätsel. Egal, süß sind sie. Und was mit Rüschen und so wäre auch echt zu hart gewesen. Also rein in den nächsten Laden, „Elvi“. Gesunde Sachen shoppen. Till hatte einen Korb, ich hatte meinen Korb. Ich hatte ja wenigstens noch Paprika und Gurke eingepackt neben den Chips, der Schokolade, Keksen und so weiter. Tills Korb wies nur diese leckeren Dinge auf. Okay, Hauptsache Gesundheitstag.

Wir fuhren Richtung Grenze und stoppten an einem schönen Parkplatz, der direkt zum Strand führte. Hier wurde erstmal ein Frühstück am Strand gemacht. Man, war das heute heiß! Die Hunde hechelten. Wir zogen mit unserer Decke in den Schatten. Auch die Wespen waren wieder am Start…

 

Zurück auf der Straße dann die Mission „frisches Wasser für unsere Tanks“. Ich wollte heute Abend schön entspannt duschen und dabei sollte das Wasser nicht ausgehen. Wir fuhren weiter gen Norden, dann passierten wir die Grenze.

Hinter der Grenze versuchten wir an Campingplätzen Frischwasser zu bekommen, keine Chance. Irgendwie waren sie damit nicht ausgestattet, oder sie wollten nicht. Keine Ahnung. Eine Frau sagte uns, dass wir frisches Wasser an einer Fischfabrik bekommen. Okay, versuchen wir es da!

 

Man, stank das hier nach Fisch. 2 große Hallen auf dem Gelände, wo die Fische ausgenommen und „aufbereitet“ wurden. Keiner konnte Englisch, also wurde die Chefin geholt. Aber auch Maria verstand kein Englisch. Also mit Händen und Füßen erklärt, was wir wollten. Sie verstand. Wir führen mit dem Frosch hinter eine Halle. Hier wartete ein gelber Gartenschlauch auf uns aus dem frisches Wasser kam. Okay, also Tank auf und rein damit. Gleich beide? Till meinte ja, also beide Tanks gefüllt.

Nach einer halben Stunde war die Mission Frischwasser erfüllt – wir waren sogar noch im Zeitplan. Es war erst 14 Uhr. Jetzt ein lauschiges Plätzchen gesucht. Man, haben wir nach Fisch gestunken, halleluja….

 

Auf einem Parkplatz mitten in einem Naturschutzgebiet machten wir eine erneute Rast, um auf die Karte zu schauen. Ich machte Kaffee und es gab einen Schokoriegel – Gesundheitstag mal kurz verdrängen! Und wie wir so genüsslich unseren Kaffee tranken, dachte ich: oh verdammt, bilde ich es mir ein oder schmeckt der Kaffee im Nachgeschmack voll nach Fisch? Ich schaute Till an. Er guckte mich an. Wir dachten beide das gleiche: Ja, verdammt, der Kaffee schmeckt nach Fisch. Jetzt haben wir 500l Fischwasser an Bord… was jetzt? Unser Urlaub näherte sich wieder einem weiteren Highlight und ging wieder so richtig in die Vollen.
Wir machten den Waschtest: unsere Hände rochen nicht nach Fisch. Der Geschmackstest: pures Wasser im Mund. Geht auch. Aber warum schmeckt der Kaffee so extrem nach Fisch? Weil sich der Geschmack erst mit Wärme so richtig entwickelt? Wenn das der Fall ist, wie rieche ich dann bitte nach dem Duschen? Und die nächste Frage: haben wir uns jetzt unsere Tanks versaut? Und die Schläuche? Geht der Fischgeschmack je wieder weg? Hilfe!

 

Erstmal weiterfahren. Nach dem Naturschutzgebiet bogen wir Richtung Campingplaz ab. Wenn es hier Frischwasser gibt, dann raus mit dem Fischwasser und neu aufgetankt. Angekommen. Gefragt. Geht klar. Also noch mal raus auf die Landstraße und am Straßenrand geparkt. Tanks aufgeschraubt, yeah, 500 Liter Wasser auf die Straße…. Unten waren Ablassschrauben. Der eine Tank ging mit Schlauchführung zu leeren, der andere leider nicht. Mmmhh…. Wie schaffen wir es, dass das Wasser nicht unter den Tank läuft und so innen alles naß wird? Till holte eine Colaflasche. Dabei wollte er T-Bone aus dem Frosch heben. Ein lauter Schrei. Oh nein, Till wurde von einer Wespe gestochen und er hat doch eine Allergie. Mir wurde Angst und Bange. Schnell das Coolpack raus. Die Hunde drehten durch und bellten. Alles eskalierte. Ich fing an zu heulen, Till hatte wahnsinnige Schmerzen. Okay, nun beruhigen und irgendwie das Wasser da raus. Leider hielt unsere Konstruktion nicht und das Wasser rauschte nur so raus und rein in den Frosch. Scheibenkleister. Und da waren wir wieder in einer nächsten Katastrophe. Nun musste der Tank irgendwie raus. Till konnte mit seiner Hand nichts mehr machen, also führte ich seine Anweisungen aus.

 

Ich zog den leeren Tank soweit wie möglich raus. Ja, darunter war es nass. Was nun? Plan geschmiedet: Wir bleiben auf dem Campingplatz, ziehen den Tank komplett raus und lassen alles über Nacht trocknen. Und morgen schieben wir ihn wieder rein und befüllen ihn neu. Okay. Nur ging er nicht wieder richtig rein. Egal. Erstmal zurück auf den Campingplatz. Mit rausguckendem Tank folgte ich Till auf den Campingplatz. Seine Hand schwoll immer weiter an. Ich holte die Cortisontabletten, die ich für die Notfälle eingesteckt hatte raus, Till musste jetzt vorbeugen, wo sollte hier so schnell ein Arzt herkommen, wenn es ganz schlimm wird?

 

Wir checkten am Campingplatz ein. Ganz nette Leute. Sie holten was für Tills Hand, machten ihn glücklich, in dem sie sagten, dass hier Internet frei zugänglich ist. Wir befüllten den einen Wassertank und zogen dann den anderen Tank komplett raus. So schwer, wie gedacht, war das 2,50m lange Teil gar nicht.

 

Die Situation beruhigte sich wieder. Vor allem ich. Till setzte sich auf die Decke vor den Frosh mit ner Zeitschrift und ich wollte erstmal aufräumen und dann das essen vorbereiten. Was es heute gibt? FISCH! Trotz allem!

 

Ich denke, nach unseren 3 Wochen mit dem Frosch sollten wir alle möglichen Szenarien durchhaben, so dass wir für alle weiteren Reisen vorbereitet sind und uns bzw. mich so leicht nichts mehr aus der Bahn wirft. Denn eigentlich finde ich unseren Urlaub echt schön und unser Froschleben aufregend. Nun manchmal, da könnte es etwas „langweiliger“ sein!

 

Wollen mal sehen, was noch so kommt. Keilriemen und Reifenwechsel steht ja auch noch auf dem Programm!

 

So, Essen ist fertig: Guten Appetit!

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