Nationalfeiertag in Tallinn 20.08.08

Dirhami (Estland) – Tallinn (Estland)

 

Till´s Bericht:

 

Sieben Uhr. Ich bin wach, die anderen schlafen noch.
Dann mache ich mich doch mal an den Abwasch, ein Mann muss sich ja nicht auch immer nur um die Maschine kümmern. Heute gibt es auch nur eine kleine Halogenlampe über der Spüle auszutauschen. Endlich kann ich meine rechte Hand wieder voll einsetzten; was für eine Behinderung durch eine kleine Wespe.


Ansonsten läuft der Frosch fabelhaft. Klar, die eine oder andere Arbeit könnte während des Winters im Trockendock schon gemacht werden. Leider kann ich Amelie nicht zu einer Lackierung überreden. Dänisches Armee-Camouflage …

Es regnet übrigens. Aber im Zuge des Klimawandels gebe ich dem Tourismus eine große Chance. Wenn hier immer die Sonne scheinen würde, wäre sicherlich alles mit Hotel-Anlagen zugepflastert.

 

Regen, und das am Nationalfeiertag der Unabhängigkeit. Deswegen wollen wir heute gleich in die Hauptstadt Tallin. Denn, bei unserer Art zu reisen lernt man doch relativ wenig ‘Einheimische’ kennen: wir reisen halt autark und selbst getankt haben wir hier nur, weil der Diesel günstig ist.


Und immer wieder stehen wir an menschenleeren Stränden ganz alleine.
Und wenn mal einer kommt, stört es ihn überhaupt nicht, dass jemand mit seinem LKW am Strand parkt.


Echt toll hier, genau das richtige für den Trucker.
Gerne könnten noch ein paar 4×4-Einsätze dazu kommen. Ich will ja nichts provozieren, aber richtig gefordert war der Truck noch nicht. Vielleicht 2-3 mal Allrad dazugeschaltet, sonst nichts.


Dabei haben wir doch auch noch die Differenzialsperre und können noch mehr Luft aus den Reifen lassen.
So nen großes Schlammloch ist doch auch immer ein Foto wert …
Hierzu ein you-tube-Link:

http://de.youtube.com/watch?v=8vcOZgroby0

 

Ich werde Amelie gleich mal mit einem Milchkaffee wecken. Vertrauen in unser Trinkwasser habe ich mittlerweile wieder. Vielleicht haben wir uns den Fischgeschmack auch nur eingebildet. Meine Oma hatte das Fischbesteck früher nicht mit in die Geschirrspüle getan, aus Angst vor dem Fischbeigeschmack….

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Amelie´s Bericht:

 

Eine erholsame Nacht lag hinter uns als wir heute Morgen unsere Sachen zusammenpackten. Heute war Nationalfeiertag in Estland und wir wollten uns das Spektakel in Tallinn ansehen. 120km sollten noch vor uns und unserem letzten Ziel in Estland liegen.

 

Es regnete, es schien die Sonne, mal wieder alles im Wechsel als wir so mit den üblichen und undefinierbaren Klappergeräuschen über die holprigen Straßen fuhren. Keep on trucking – irgendwie haben wir uns inzwischen so richtig im Frosch eingelebt und könnten jetzt noch ewig so weiterfahren. Z.B. statt mit der Fähre nach Rostock einfach nach Helsinki fahren und von dort dann über Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark ganz gemütlich wieder nach Deutschland zurück…ach, wenn wir doch noch Urlaub hätten…

 

Da, eine Baustelle. Aber scheinbar gibt es hier keine Begrenzungsschilder geschweige denn Hütchen oder ähnliches. Hier weicht einfach jeder jedem irgendwie aus. Die Gegenfahrbahn war Schotter, wir fuhren ein paar Zentimeter höher auf Asphalt. Ups, da vorne war ja die Asphaltmaschine, die weiter geradeaus auf unserer Spur fuhr. Waren wir jetzt über ganz frischen Asphalt gefahren? Also runter auf die Gegenfahrbahn auf den Schotter und hinterm Asphalt-Wagen wieder auf unsere Schotter-Spur. Wir fuhren weiter matschige Straßen runter. Es stank nach muffigem, nassem und modrigem Schotter. Schön, dass alles am Frosch hochspritze und wir jetzt diesen extrem muffigen Gestank mit uns herumfuhren…

 

Tallinn lag direkt vor uns! Lass uns doch erstmal zum Flughafen fahren, Postkarten kaufen und ein Foto vom Tower machen. Also gaben wir Monika den Hinweis uns doch bitte gen Fughafen zu lotsen.


Ein wenig unspektakulär, der Flughafen der Hauptstadt. Hier hatten noch nicht mal die Geschäfte auf, wegen dem Feiertag. Also fragten wir bei Estonia Air nach zwei Postkarten und bekamen gleich das ganze Werbemittel-Programm! Danke, jetzt kann ich meine 2.000 Schlüsselbänder, die ich noch irgendwo rumliegen habe, um weitere 2 ergänzen, das gleiche mit den Kugelschreibern. Aber die Aufkleber, die waren nicht schlecht…

 

Wir machten ein Foto vom Tower und fuhren Richtung City. Irgendwo wird es hier doch einen Campingplatz geben… Wir hielten auf einem großen Parkplatz um mit den Hunden einen Spaziergang durch den anliegenden Park zu machen. Wollen wir hier über Nacht bleiben? Mmhh, ist irgendwie doof. Wir entschlossen uns, die Hunde im Frosch zu lassen und mal ein paar Schritte durch die Altstadt zu machen. Vielleicht finden wir ja eine Touristen Information, die uns einen Campingplatz nennen kann.

 

Wir gingen durch die Altstadt und hier war endlich was los. Auf einer großen Bühne auf dem Rathausplatz ein Streich-Orchester, das die Eurovisionshymne spielte. Schade, dass wir die Videokamera nicht dabei hatten… das hätte man sicher nett einbauen können…


Hier am Rathausplatz waren überall Restaurants – auch ein Italiener, zu dem wir heute Abend gehen wollten. Gleich in der Nähe fanden wir auch eine Touristen-Info, die uns sagte, dass am Wasser ein Campingplatz war und markierte die Straße mit einem Kreuzchen in der Karte. Ich fragte, ob dies eine Art Parkplatz wäre. Nein, nein, das ist ein normaler schöner Campingplatz. Genau, dachte ich, als wir auf dem Messegelände hinter einer Halle den City Campingplatz entdeckten. Schöner Campingplatz. Von wegen. Parkplatz, Asphalt, 2m² Grünfläche, Toiletten und Duschen in der Messehalle. Nun gut, hier waren wir nun, hier bleiben wir jetzt.

Till testete die Duschen, während ich mit mein Gesicht anpinselte und eine Frisur bastelte. Proseccodöschen aufgemacht und „Prost, auf Tallinn“! Wir ließen die Hunde im Frosch, da es T-Bone nicht gut ging. Er machte einen schlappen Eindruck und hatte sich heute schon übergeben. Also ließen wir sie schlafen und machten uns auf an die Straße um ein Taxi zu bekommen, das uns in die Altstadt fuhr.

 

Eine herrliche Altstadt. Wunderschöne alte Häuser, die Straßen alle Kopfsteinpflaster und in den Geschäften mittelalterlich verkleidete Verkäuferinnen, die Filzmützen, Gewänder oder ähnliches an den Mann bringen wollten. Wir fanden den Weg zum Rathausplatz und setzten uns direkt an einen Außentisch beim Italiener. Wir blätterten in der Karte, doch schnell war klar: Pizza Magherita und Pizza Quadro Fromaggi. Dazu eine Flasche Wein. Herrlich! Wir genossen den Blick auf den Rathausplatz, beobachteten die Leute und philosophierten über das Leben.

So, nun bitte die Rechnung. Ich war erstaunt. Die Flasche Rotwein hat 50 Euro gekostet? Man Till, das hättest du ja auch mal sagen können, ich hab das doch nicht nachgerechnet…Nun ja, Chile ist ein weiter Weg und er war echt lecker. Dafür war die Pizza echt ein Schnäppchen….

 

Leicht angetüddelt liefen wir durch die Altstadt, tranken in einer „Underground“ Kneipe jeder eine Flasche Bier (0,5l… ich hasse Bier), wobei wir hinterher feststellten, dass der Typ uns übern Tisch gezogen haben muss, wir bezahlten über 10 Euro… Soviel kostete noch nicht mal der Cocktail, den wir in einer Szene-Bar zu uns nahmen. Naja, egal. Nun waren wir auch gut betrunken und traten den Heimweg an. Da wir keine Ahnung von den Buslinien hatten, nahmen wir schlussendlich wieder ein Taxi. Und siehe da: auch hier bezahlten wir für die gleiche Strecke weniger als die Hälfte… Vielleicht sollten wir anfangen nachzurechnen bevor wir etwas bezahlen… Egal, ist Urlaub!

 

Zurück auf dem wunderschönen Asphalt-Camping-Platz auf dem Messegelände ließen wir die Hunde noch ihr Beinchen heben und versuchten dann noch ins Internet zu kommen. Was leider scheiterte. Das Netz war irgendwie zusammengebrochen…Statt dann im Internet zu surfen, surften wir dann ganz schnell durch unsere Träume…

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