Was haben Storche und eine Webasto-Standheizung gemeinsam? 07.08.08

Balewo (Polen) - Marijampole (Litauen)

 

Nach einigen Auseinandersetzungen, schlechter Laune wegen Platzmangels und ewigem Chaos hatten wir beschlossen, die ganze Sache noch mal neu zu starten. Soll heißen: wir mussten uns erstmal neu sortieren und Dinge, die wir nun wirklich nicht brauchen und immer nur von A nach B räumten einfach mal verstauen. Und so verbrachten wir die Zeit nach dem Aufstehen erstmal mit Aufräumen. Das tat gut! Jetzt hat jedes Teil seinen festen Platz und unnötige Dinge liegen nicht mehr im Weg rum, die ständig festgezurrt werden müssen um dann doch wieder durch die Gegend zu fliegen.


Nach dieser befreienden Aktion setzten wir uns gutgelaunt ins Fahrerhäuschen und planten unsere Route Richtung Grenze Litauen. Und mit unserer guten Laune kam dann auch endlich die Sonne! Danke! Nun war alles perfekt.


Nun mussten wir aber erstmal über die Wiesen zurück auf die „Hauptstraße“. Mit Geholper und Gerüttel ging es dann durch die Felder, über kleine Gräben bis wir eine Straße reinfuhren, die bereits anzeigte, dass hier nur 3,5t fahren dürfen. Warum, das wussten wir einige Kilometer später. Die Holzbrücke, die über den kleinen Fluss ging, die war nicht für 7,5 Tonner gemacht. Also gewendet. Und nun? Wo lang? Die Einheimischen an der Straßenecke gefragt. Die hingegen haben gelacht, und uns das Zeichen gegeben, einfach rüberzufahren. Hallo? Wir sehen aus wie ein 10 Tonner….und dann schicken die uns darüber? Ich hatte Angst und Till das Abenteuer für sich entdeckt. Also hielt ich mich krampfhaft an meinem Griff fest und fing an zu beten. Es wird schon seine Gründe haben, warum da max 3,5t dran steht. Es wird auch seine Gründe haben, dass die Einheimischen uns rüberschicken, hält Till gegen. Ich hielt meine Klappe und die Augen geschlossen, linste nur noch durch einen kleinen Spalt durch und hielt den Atem an. Langsam rollte der Frosch über die Holzbrücke. Es machte Knack…. Nein, war ein Scherz. Es passierte ein Glück gar nichts! Puh…

 

Zurück auf der „Hauptstraße“ landeten wir nach einiger Zeit in einer Sackgasse. Weiter ging es nicht. Die Brücke wurde erst neu gebaut. Also erstmal auf die nächste Wiese gefahren und gefrühstückt. Frisch gestärkt zurück ins Cockpit, den kleinen Umweg in Kauf genommen. Egal. Die Sonne scheint!
Und wie ich da oben so auf meinem Beifahrersitz sitze und die Aussicht genieße, muss ich doch tatsächlich wieder feststellen, wie viele Storche man sieht. Also fing ich an, einfach mal ne Strichliste zu führen. Storche in Nestern, Storche auf der Wiese, Storche auf Häusern. Überall lungerten diese schönen Vögel herum. Ein schöner Anblick, den es sich zu zählen echt lohnte. Till und ich schlossen eine kleine Wette ab: Wieviele Storche werden wir wohl in den nächsten Tagen sehen? Till: 40-50. Ich: Mindestens 100, wenn nicht sogar 150! Und während ich mich mit den Klapper-Storchen beschäftigte, fing es ganz plötzlich auch noch unter mir an zu Klappern. Rangefahren, nachgeschaut. Unter meinem Sitz in der Holzkiste liegt Tills „Assistent“, die Kopflampe – und die klapperte gegen das Holz. Alles klar. Puh…dachte schon. Also weitergefahren. Und da war es wieder: das heftige Klappen unter mir, das eher unter dem Kotflügel herkam. Mist. Der Assistent war es nicht. Also wieder rangefahren. Nix gesehen. Sieht alles aus wie immer. Motorhaube auf…an der ollen Webasto-Standheizung gerüttelt – und ja, das war es, das Klappern unter mir. Verdammt. Hier war eine Schraube rausgefallen. Also: den nächsten Obi angesteuert und Schrauben gekauft. Aber jetzt, wo man einen Obi braucht, ist keiner in der Nähe. Überall kamen wir an Lidl, Plus, Media Markt und Obi vorbei. Nur jetzt nicht. Also: McGyver Till die Kabelbinder rausgeholt und erstmal gerettet, was zu retten war. Klapperte zwar immer noch, aber hielt erstmal. Immer noch kein Obi in Sicht. Und nun? Schraube klauen. Angehalten und an einer Bushaltestelle eine Schraube geklaut. Tills Worte: Das ist genau die richtige, die ist perfekt! Frosch gestartet, weitergefahren. Bauen wir gleich mal ab von der Straße ein, dann können die Hunde rumlaufen. Ok. Keine 20m gefahren, da fängt der Motor an, Zicken zu machen. Was ist denn jetzt los?? Tank leer….Da wir aber den andern Tank gerade wieder befüllt hatten, musste also auf den anderen umgeschaltet werden. Ging aber dann doch nicht so leicht…also von Hand gepumpt und dann doch noch die Schraube eingebaut…Und nun klappert auch Miss Webasto nicht mehr.

 

Nun aber. Musik aufgedreht und Gummi! Wir wollen schließlich noch über die Grenze…und irgendwie können wir nicht 6 Stunden für 190 km brauchen.

Im Dunkeln fuhren wir heute über die Grenze nach Litauen und was soll ich sagen. Bis hierhin hatte ich ungelogen 83 Störche gezählt! Morgen geht’s weiter!

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