Jetzt ist es offiziell!

„Das ist der direkte Weg in die Armut!“ „Ist das nicht zu gefährlich?“ „Ihr seid verrückt!“ Wir durften uns einiges anhören, aber irgendwann mussten wir unsere Reise-Pläne ja mal der Familie und unseren Freunden offenbaren! Die, die von unserer Idee begeistert waren, wollten sofort mit. Der ein oder andere hat geweint, aber inzwischen sollten sich alle vom Schock erholt und die Neuigkeiten verdaut haben. Selbst unser größter Skeptiker kann sich inzwischen mit unserem Vorhaben arrangieren...

...Wer sich natürlich nicht wirklich begeistern konnte, war z.B. mein Chef. Welcher Chef ist auch nicht irritiert, wenn man mit einem Strahlen im Gesicht kündigt, als hätte man gerade den Weihnachtsmann gesehen! Nun sind also auch diese Tage gezählt. Und plötzlich rennt die Zeit. Das, was sich in den letzten Monaten so unendlich hingezogen hat, geht auf einmal so unglaublich schnell. Kann aber auch am plötzlichen Frühlings-Sommer-Wetter liegen, das uns nach dem miesen, kalten, dunklen, langen Winter jetzt seit 3 Wochen absolute gute Laune bereitet. Ja, wird sind in Aufbruchstimmung! 

Unsere To-Do-Liste ist lang! Aber wir sind fleißig und arbeiten sie ab. Unser Reise-Sparbuch muss aufgerüscht werden und es gibt noch einiges zu reparieren. Denn unser Reise-Sparbuch heißt Gloria, ist ein kupfer-goldenes Käfer-Cabriolet mit derzeit noch schmuddelig-grauem Verdeck. Aber bald erstrahlt auch dieser Teil unserer Oldtimer-Schönheit in neuem Glanz, der Termin beim Sattler ist gemacht und dann wird aus schmuddelig-grau-kaputt nämlich beige-strahlend-neu und vor allem heile! Und ein passender Käufer wird sich finden. Ich bin überzeugt davon, einen Käfer-Verrückten da draußen zu finden, denn unsere Käferin Gloria ist wirklich Liebe auf den ersten Blick!

Ganz oben auf der Liste stand bis vor ein paar Tagen auch noch der Punkt: Möbeleinlagerung. Wer uns kennt: wir haben viel. Wer uns nicht kennt: wir haben viel! Leider auch mehr als normal! Wir wohnen derzeit noch auf 320qm und lieben unsere Möbel und allen anderen Krempel, den man so die Jahre angesammelt hat. Von vielen Dingen werden wir uns noch trennen, einige Dinge haben uns tatsächlich schon verlassen. Dank des herrlichen Wetters ist die Flohmarkt-Saison pünktlich gestartet und für uns auch noch sehr erfolgreich! So haben wir schon richtig gut verkauft. Dieses Wochenende geht’s weiter und diverse andere Flohmarkt-Termine sind bereits im Kalender fest notiert. Was aber mit den ganzen Möbeln, die guten alten Erbstücke, das 4m lange Sideboard, der Billard-Tisch, die Standuhr, der Tischkicker, der Spielautomat? Das 2,50m breite antik-anmutende samtrote Sofa? Verkaufen? Nur richtig schweren Herzens. Während wir gerade eine Bestandsaufnahme machten, bekam ich eine SMS: „Hey ihr zwei, Interesse an 100qm Lagerfläche für umsonst?“ Ich habe meinen Mund nicht mehr zubekommen! Es gibt einen Gott und der meint es verdammt gut mit uns! Familie Flügge stellt uns diese trockene Lagerfläche inkl. regelmäßigem Hausmeister-Check zur Verfügung! Wir sind begeistert und unglaublich dankbar!!! Familie Flügge: ihr seid die besten!!! Und wir sind eine unserer größten Sorgen tatsächlich los, bevor wir überhaupt angefangen haben, nach günstigen Lagerflächen zu recherchieren. 

Kommen wir zum Haupt-Akteur: dem Frosch! Nach dem wir ihn seit November in seinen wohlverdienten Winterschlaf gelassen haben, sollte er Anfang April wieder Sonnenlicht spüren dürfen. Ausgestattet mit Verlängerungskabel und sämtlichem Krempel, um den Laster nach so langer Standpause wieder flott zu kriegen, sind wir Anfang April zur Scheune gefahren. Und was passiert? Der Frosch springt sofort an! Es war, als hätte er sehnlichst auf seine Halter gewartet, um endlich wieder fahren zu dürfen. Kein Geächze, kein „ich versuchs noch mal“. Nichts. Schlüssel umgedreht, Startknopf gedrückt und er lief, wie ein Laster laufen soll! Während er schwarzen Rauch ausspuckte und sich aufwärmen durfte, wurden die Kennzeichen dran geschraubt und 15 min später war der 7,5 Tonner wieder auf Asphalt unterwegs! Was für ein herrliches Gefühl der Freiheit!

Am letzten Wochenende ging´s für uns nach Bremen zu Matze, meinem Lieblingsfotografen und ehemaligem Stadtmagazin-Kollegen. Wir brauchten Passfotos. Aber nicht irgendwelche sondern: a) biometrische, mit ernstem, starrem Gesicht. Gibt Schöneres. Aber okay, Vorschrift ist Vorschrift! b) lächelnd für den EU und den Internationalen Führerschein, bei einer Fahrzeugkontrolle soll das Lächeln einer Frau ja schließlich Wunder bewirken und zu guter Letzt c) verschleierte Passfotos! Ich in schwarzem Trenchcoat mit schwarzem Kopftuch ohne jegliches Lächeln, eingehüllt wie aus „Nicht ohne meine Tochter“, wobei es bei mir wohl eher heißen würden: „Nicht ohne meinen Mann, meinen Hund und meinen Frosch!“ Ich sah aus! Aber wir hatten unglaublich viel Spaß bei unserem Fotoshooting. Fehlte nur noch Evil Bert!
Aber wenn es die Iraner und die pakistanischen Landsleute glücklich macht, dass meine Visa-Anträge mit verschleierten Bildern eintreffen, dann finde ich das in Ordnung und erfülle ihnen gerne diesen Wunsch!
Und nun haben wir unsere Bilder zur Entwicklung gegeben, für schlappe 7 Euro bekommen wir 4 x 40 Bilder! Danke liebes Internet und liebe Digitalfotografie, aber vor allem: Danke Matze für die Bilder und den lustigen Nachmittag bei euch!

Wie es bei uns weitergeht, wie unsere Übungsmaßnahmen am Frosch laufen werden in Bezug auf Reifenwechsel (das 120kg schwere Reserverad liegt auf dem 3m hohen Dach, will da runter und dann das „kaputte“ wieder rauf…), Geschichten vom Impfen, und ob sich für Gloria schon ein Käufer gefunden hat und vor allem, ob unsere Glückssträhne weiter anhält, erfahrt ihr hier in Kürze!




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Kommentare: 1
  • #1

    stefan reinders (Dienstag, 20 Oktober 2009 22:14)

    Zu geil. Bin grad erst auf eure Seite gestossen: ganz phantastisch, Katka findet´s auch toll !! Kein Wunder, wir verabschieden uns auch, nur für ein halbes Jahr, also Pillepalle für Euch, aber immerhin :-) Freu mich drauf. Leider bin ich nicht so ein Bastler, sonst würde ich auch selbst fahren....
    Aber die Gespräche mit Chef und Personalabteilung darüber sind schon nett :-)
    Also wenn Ihr Geld braucht: 2 Wochen Crashkurs in Survivaltraining mit altem KFZ in Kathmandu, Pokhara oder Goa für uns 2, würde uns vielleicht neue Perspektiven eröffnen. Cheers, Stefan